Deindustrialisierung und Entfremdung: Droht uns eine zweite DDR?
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Sind die Zustände so schlimm wie in der DDR? Einerseits: Nein. Die Krisen in der Bundesrepublik mögen sich noch so sehr auftürmen, das heutige Deutschland ist kein sozialistischer Unrechtsstaat. Es gibt kein Ministerium für Staatssicherheit, keine Mauer, keine Einheitspresse, keine Mangelwirtschaft.
Andererseits macht sich der Eindruck breit: Die Schnittmengen wachsen. Ehemalige DDR-Oppositionelle warnen vor der Wiederkehr des Gleichen. Ein führender Wirtschaftsvertreter sagt sogar: Die ökonomischen Verwerfungen seien heute größer als zur Zeit der Wiedervereinigung. Ein Strukturbruch finde statt. Das aber heißt: Die bisherige Bundesrepublik bricht entzwei. Uns drohen sehr ungemütliche Zeiten.
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Der Staat als Gegner der Freiheit
Vergleiche mit vergangenen Epochen sind riskant. Sie können Unterschiede verwischen. Jede Epoche ist einmalig – „unmittelbar zu Gott“, sagte einst der große deutsche Historiker Leopold von Ranke. Jede Zeit trägt ihren Sinn in sich. Doch ohne Vergleiche gibt es keine Erkenntnis, und ohne Erkenntnis frisst der Irrtum sich fort. Wer lernen will, der muss vergleichen, und der findet das Gleiche ebenso wie das Verschiedene. Insofern muss verglichen werden, ohne gleich zu machen.
Auch heute entwickelt sich der Staat zum Gegner der Freiheit. Auch heute will eine Nomenklatura bestimmen. Auch heute soll Wirtschaft immer mehr gelenkt werden, zum Schaden des Volks, um das man sich angeblich kümmert. Sozialisten wittern Morgenluft, Bürokraten und Regulierer herrschen.
15.000 Arbeitsplätze im Monat weniger
Darum weist Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände, auf die entscheidende Zahl hin: Pro Monat werden in Deutschland 15.000 Arbeitsplätze in der Industrie abgebaut – 15.000!
Der einzige Bereich, der noch wachse, werde vom Staat finanziert, sei es in der Pflege, sei es, „vor allem“ in der öffentlichen Verwaltung mit ihrer Bürokratie. Die Wirtschaft bewege sich seit sieben Jahren seitwärts. Und die große Welle, sagt Steffen Kampeter, die große Welle rolle noch auf Deutschland zu, Strukturbrüche drohten.
Steffen Kampeter weiß, wie das Herz der Wirtschaft schlägt. Er saß über 25 Jahre für die CDU im Bundestag. Er war Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium unter Wolfgang Schäuble. Nun spricht er für die Arbeitgeberverbände. Er kennt die Nöte der Unternehmer und die Sorgen der Angestellten. Und er sagt also – im Podcast „Ronzheimer“: Während der Staat sich mästet, schmiert die Wirtschaft ab. Kampeter wörtlich: „Wahrscheinlich sind die Strukturbrüche größer als bei der Wiedervereinigung.“
Was aber geschah in den Jahren nach 1990? Ein sozialistisches und ein marktwirtschaftliches Deutschland wurden wiedervereinigt. Die DDR trat faktisch der BRD bei. Die wirtschaftlichen Verwerfungen waren enorm.
Dabei ging viel zu Bruch. Zahlreiche Unternehmen wurden abgewickelt, weil sie sich in der freien Wirtschaft nicht behaupten konnten. Produktionsstätten wurden zu Ruinen. Die Arbeitslosigkeit stieg. Der Strukturbruch hieß Deindustrialisierung. Abwanderung war die Folge, Verödung die Konsequenz, Entfremdung das Resultat.
Merz, Funktionär des Niedergangs
Und heute, im Jahre 2026, unter einem christdemokratischen Bundeskanzler, sollen die Strukturbrüche noch größer sein? Wenn Kampeter recht hat, droht Deutschland ein Deindustrialisierungsschub von historischem Ausmaß. Und ein massiver Vertrauensverlust in das herrschende System und dessen Eliten.
Dann könnten Merz und Klingbeil in die Geschichte eingehen. Nicht als Organisatoren des Aufschwungs – so sehen sie sich selbst –, sondern als Funktionäre des Niedergangs. Und auch bei den zunehmenden Einschränkungen von Meinungsfreiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gilt: Wer keine zweite DDR will, der darf keine DDR-Rezepte übernehmen.
Alexander Kissler
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