Volksfern, skandalträchtig, unprofessionell: Warum die AfD in Deutschland keinen Anschluss findet
Manch einem galt der 24. April als „Zäsur“. Sechs Stunden, 30 Minuten und 30 Sekunden – genau so lange währte das Interview des Journalisten Tilo Jung mit dem AfD-Spitzenkandidaten für die Europawahl, Maximilian Krah. Die Themen reichten von Kombi-Lohn-Modellen nach ungarischem Vorbild bis zu Gottfried-Herder-Zitaten, von Geschichtspolitik bis zu Kriegseinsätzen an der ukrainischen Front. „Diejenigen, die junge Männer, auf denen die ganze Hoffnung ruht und die ihr Leben vor sich haben, für hehre Worte in den Krieg schicken, die verachte ich“, schleuderte Krah Jung ins Gesicht.
Das hatte gesessen; schnell verbreiteten sich Ausschnitte des Interviews im World Wide Web. Das Mammut-Interview wurde bis heute 1,2 Millionen Mal geklickt. Der AfD-Spitzenkandidat trat so schlagfertig auf, wie man AfD-Politiker sonst nicht kannte – und konnte auch hartnäckige Fragen parieren. Selbst Gegner zollten dem 47-Jährigen Tribut. „Ich teile bei vielen Punkten nicht seine Meinung und bin bei weitem kein AFD-Anhänger“, schrieb ein User auf YouTube. „Aber ich bin erschreckt darüber, dass der Mann mich nicht so abschreckt wie Politiker von CDU, Grünen, FDP und SPD.“ So erging es vielen. Sprach hier womöglich ein konservativer Hoffnungsträger vor?

Maximilian Krah im Interview
Maximilian Krah im Interview
Ein Debakel bahnt sich an
Fast forward, Ende Mai. Einen Monat später legt eben jener Maximilian Krah seinen Posten im AfD-Bundesvorstand nieder. Er werde außerdem alle Wahlkampfauftritte absagen, gab Krah auf X bekannt. Grund sind Äußerungen, die der Sachse im Interview mit der italienischen Tageszeitung La Repubblica getroffen hatte. Krah sagte dort, dass „nicht jeder, der eine SS-Uniform getragen hat, automatisch ein Verbrecher“ gewesen sei. Schuld sei stets individuell zu bemessen. Er rekurrierte damit auf ein viral gegangenes Tiktok-Video und das Interview bei Jung & Naiv, in dem er, mit dem NSDAP-Parteibuch seines Großvaters konfrontiert, sagte: „Ich verbitte es mir, meine Vorfahren als Verbrecher zu bezeichnen.“
Die Äußerungen in der italienischen Zeitung hatten zur Folge, dass der Rassemblement National, französische Rechtspartei und eigentlich AfD-Schwester auf EU-Ebene, angekündigt hatte, mit der AfD zu brechen. Marine Le Pen und Jordan Bardella, die aktuell in französischen Wahlumfragen bei Ergebnissen um die 30 Prozent liegen, wendeten sich ab. Man werde „in der nächsten Legislaturperiode nicht mit der AfD“ zusammensitzen, hieß es. Zwischen den beiden Parteien habe es schon länger Konflikte gegeben und das Krah-Interview sei willkommener Anlass gewesen, heißt es hinter vorgehaltener Hand, dennoch stellt der Bruch einen Einschnitt dar.
Auch der italienische Infrastrukturminister Matteo Salvini und seine Lega gingen auf Distanz – und von Rechtsparteien aus Osteuropa und Skandinavien ist ebenso zu hören, dass man von den Äußerungen verschreckt wurde. Selbst europäischen Rechten, so das Echo der Medien, seien Krah und die AfD zu extrem.

Seitdem gleicht der ganze AfD-Wahlkampfauftritt einem Unfall, bei dem ein Autowrack ausbrennt, das Krah zwar verlassen hat, dem man beim Verglühen aber live beiwohnen kann: Der Spitzenkandidat mit vermeintlich skandalösen Wortmeldungen zur SS und womöglich einem angeheuerten chinesischen Agenten; abgesagte Wahlkampfauftritte und Festzeltreden; der Zweitplatzierte der Liste in Verdacht, Gelder aus Russland angenommen zu haben. Und die Parteiführung unfähig, dieses Debakel zu verhindern.
Der desaströse Wahlkampf für das EU-Parlament wirft dabei ein Schlaglicht auf ein größeres Problem, welches schon länger schwelt: das Auftreten als Fettnäpfchen-Partei ohne ausreichende Professionalisierung, die inhaltlich nach Linie sucht – und der es an Führungspersonal mangelt.
Von Konsens und deutschem „Schuldkult“
Dabei ist nichts an Krahs Äußerungen wirklich skandalös. Dass es insbesondere junge (noch nicht volljährige) SS-Mitglieder gab, die keine Überzeugungstäter waren, aber gerade gegen Kriegsende Teil der Landstreitkräfte wurden, ist Konsens der Geschichtsforschung. Der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, beharrte (womöglich auch aus Pragmatismus im Nachkriegsdeutschland) ebenso darauf wie Franz-Josef Strauß oder Helmut Kohl, der 2006 in der BILD schrieb: „Doch wer sich mit der Geschichte der Waffen-SS beschäftigt, weiß, dass viele dieser blutjungen Soldaten gar keine Chance hatten, dem Einberufungsbefehl zur Waffen-SS zu entgehen.“ Nachkriegskarrieren wie die des DDR-Malers Bernhard Heising oder des Derrick-Erfinders Herbert Reinecker wären nicht möglich gewesen, wenn das Diktum, SS-Mitgliedschaft sei gleichbedeutend mit Verbrechertum, politisch Bestand gehabt hätte. Und dass ein Kandidat, der den deutschen „Schuldkult“ überwinden will, auf diese Unterscheidung besteht, ist nicht sonderlich verwunderlich.
Wie man auf Grundlage der Zitate zu dem Schluss kommen könne, Krah mache mit der SS Wahlkampf, sei „SS-Fanboy“ oder betreibe Geschichtsklitterung – obwohl er ja gerade differenziert –, ist schleierhaft. Er hat das Thema nicht einmal von sich aus angesprochen; aus seiner Antwort wurde aber eine Überschrift und auf die Überschrift folgten Reaktionen – und die Tatsache, dass die Distanzierung des Rassemblement National ausgerechnet in der Libération (das französische Äquivalent einer Mischung aus ZEIT und taz) platziert wurde, mutet dabei besonders seltsam an. In jedem Fall aber hat Krah nie proaktiv dafür geworben, dass SS-Verbrechen relativiert werden sollten.

Die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla
Die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla
Politische Kommunikation will gelernt sein
Viel schwerer als der konstruierte Skandal wiegt aber die Instinktlosigkeit Krahs. Ein Spitzenkandidat, der mit Argusaugen beäugt wird und dem jeder Nebensatz zum Verhängnis werden kann, müsste vorausschauender agieren. Eine de facto richtige Absage an die Kollektivschuldthese mag bei geschichtsaffinen Menschen in Theoriedebatten verfangen, ist in Wahlkampfzeiten aber verfehlte politische Kommunikation. Sie schreckt Wähler ab, die bei SS an Totenkopfdivision und Todesmarsch denken, und verunmöglicht Zusammenarbeit, wo sie kontinental nötig wäre. Der richtige Instinkt würde bedeuten, empörte Reaktionen zu antizipieren, und den historisch korrekten Einschätzungen ein grundsätzliches Statement vorauszuschicken. Denn ja, natürlich gab es in zahlreichen deutschen Familien Verbrecher, Kriegsverbrecher. Das auszusprechen, konterkariert gar nicht die Forderung nach einer neuen Geschichtspolitik, die mit der Gleichsetzung brechen möchte, wonach die deutsche Identität und Menschheitsmorde gleichbedeutend seien.
Die Causa lässt dabei nicht nur Krah selbst, sondern auch auf den AfD-Bundesvorstand in schlechtem Licht dastehen. Krah trat, ob im Bierzelt oder Interview beim neurechten spiritus rector Götz Kubitschek, stets polarisierend auf, ein Politikertypus der Marke Bon Vivant, den man auf Englisch gleichermaßen als public intellectual (positiv) wie loose cannon (negativ) bezeichnen könnte – und der nicht zufällig „Schampus-Max“ getauft wurde. Krah ist dabei kein „Mann vom Volk“, der als Volkstribun stets die Sprache der Menschen spricht, sondern vertritt eher den Typus Bildungsbürger, der in sich und seiner Selbstdarstellung etwas Pionierhaftes sieht. Dass er sich in den vergangenen Wochen in einem Sportwagen mit Fransenjacke abbilden ließ, stieß nicht wenigen in der AfD negativ auf. Manch einer wertete den Auftritt als „abgehoben“ und „weltfremd“. Der Grat zwischen intellektueller Satisfaktionsfähigkeit und Cringiness ist bei ihm schmaler als bei jedem anderen Politiker.
Um Aufmerksamkeit zu erreichen und Botschaften zu setzen, etwa auf TikTok, ist Krahs Art gewiss hilfreich; um Allianzen zu schmieden und Anschlussfähigkeit in neue Milieus zu schaffen – insbesondere in Wahlkampfzeiten – mitunter kontraproduktiv. Auch Krahs Nähe zu China und Russland war stets bekannt – er selbst hat sie nie verheimlicht –, und auch dafür Argumente gefunden. Wenn man aber diese Positionierung und den ganzen Auftritt dieses Mannes als Problem per se ansah und nicht als Spitzenkandidat wollte, hätte man als Bundesvorstand seine Aufstellung verhindern müssen.
Hat man aber nicht.
Professionalisierungsgrad einer Wandergruppe
Wenn man die Aufstellung als Bundesvorstand aber schon durchgewunken hat, hätte man sich nicht distanzieren dürfen, sobald der Ton rauer und die Kritik heftiger wird. Stattdessen sollte man sich gerade dann, Politkommunikation 101, hinter den eigenen Kandidaten stellen. Gerade dies scheitert aber aus der Perspektive eines Außenstehenden, und man muss sagen: zum wiederholten Male. Dabei verwundert es, dass die AfD immer wieder zum Getriebenen wird – egal, ob im Nachgang der Scheinaffäre von Potsdam, dem Skandal um angebliche Finanzströme und Einflüsse aus China und Russland oder dem jetzigen SS-Gate: Jedes Mal distanzieren sich die Parteichefs Tino Chrupalla und Alice Weidel in vorauseilendem Gehorsam, ohne zu begreifen, dass Mainstream-Medien und politische Konkurrenten sie auch nach Rechtfertigungen nicht einen Deut besser finden werden – sie aber gleichzeitig nach innen spaltend wirken.
Ohnehin wirken die Parteichefs und der Bundesvorstand aktuell unflexibel, orientierungslos und steif, so als seien sie Kastanienmännchen, die in Rollen gedrängt wurden, in denen sie sich nicht wohl fühlen. Tino Chrupalla entschuldigte sich Ende April im ARD-Talk bei Caren Miosga völlig ohne Not für Feminismus-Memes der Jugendorganisation Junge Alternative und die Vorwürfe gegenüber Krah, ohne zu wissen, was hinter den damals diffusen Anschuldigungen steckte. Und Alice Weidel, die auf Marktplätzen der Republik Menschen mitzureißen vermag, fehlt es an Führungsstärke und Vermittlerfähigkeiten. Hinter vorgehaltener Hand, das sagen nicht wenige AfD-Politiker, setzt sich die Erkenntnis durch, dass Weidel als Wahlkämpferin und Spitzenkandidatin hervorragend, als Fraktionsvorsitzende und Parteichefin aber überfordert ist.

Ziemlich oft unter Rechtfertigungsdruck: AfD-Chef Tino Chrupalla im „Bericht aus Berlin“.
Ziemlich oft unter Rechtfertigungsdruck: AfD-Chef Tino Chrupalla im „Bericht aus Berlin“.
Dies macht ein größeres Problem deutlich, vor dem die AfD jetzt schon steht, erst Recht aber, wenn Wahlerfolge einsetzen: zu einer größeren Partei gehört ein gewisser Professionalisierungsgrad mitsamt Personalstärke; und zu einer kohärenten Kommunikation wiederum eine professionalisierte Medienabteilung, die weiß, was Tone und Agenda setting sind. Die Nachrichtenströme bündelt, Vorgehen bestimmt und Wortwahl definiert. Im besten Fall wird Kommunikation und Agenda dabei besonders fraktionsintern von einem Generalsekretär bestimmt.
Weder Pressesprecherteam noch ein General existieren jedoch aktuell in der Partei. Vielmehr wirkt der ganze Parteiapparat wie eine Wandergruppe, die gegen den Ist-Zustand der Bundesrepublik wettern möchte, bei der Rededisziplin und inhaltliche Vorstöße aber nach dem Prinzip „Wer hat noch nicht? Wer will noch mal?“ bestimmt werden. Ende Dezember konnte die AfD in Umfragen noch bis zu 23 Prozent auf sich vereinen; heute sind es etwas mehr als 15. Ein nicht kleiner Teil dieser Einbußen dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Partei bei medialen Vorwürfen und Scheinskandalen wie ein Sauhaufen agiert.
Das SS-Gate um Krah gipfelte in dem fast schon realsatirisch daherkommenden Kommentar von Krzysztof Walczaks, der Krah auf X ein „Gaga!“ zuwarf und hinterherschob: „Allein schon wegen dieser mangelnden Einsicht sollten Sie sich besser ganz aus der Politik zurückziehen.“ Walczak ist ein AfD-Politiker aus Hamburg, also eigentlich ein Parteikollege Krahs.
Das Vorfeld irrlichtert in geopolitischen Metadebatten
Auch das sogenannte „Vorfeld“, also der Sammelbegriff für diskursmächtige und neurechte Akteure, die oft als Ideengeber der AfD fungieren und Krah weitgehend unterstützt haben, muss sich Fragen gefallen lassen. Zum Beispiel, ob Kongruenz bei Theoriebildung und Weltsicht wirklich immer Politstil und parteiinterne Geschlossenheit schlagen – und ob das ganze Kandidatenkonzept „von Schnellrodas Gnaden“ nicht schon daran scheitert, dass es bei entscheidenden Fragen in der AfD keine einheitliche Positionierung gibt, etwa hinsichtlich des Liberalismus oder westgebundener Außenpolitik.
Gleichzeitig befremdet aber auch das Beklagen einer angebliche „Melonisierung“, die die genuin multipolaren Stimmen kleinhalte und nun den Schulterschluss mit Transatlantikern wage. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni von der Partei Fratelli d’Italia holte 26 Prozent bei Parlamentswahlen in Italien. In Frankreich sind Bardella und Le Pen auf dem besten Weg, die 30-Prozent-Marke zu knacken – Werte, von denen die AfD aktuell nur träumen kann. Womöglich ist der „Wertewesten“ nicht das Feindbild, für das er in manchen Kreisen gehalten wird – zumindest verfängt diese Erzählung bei Wählern scheinbar nicht.

Das Gesicht der „Melonisierung“: Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni.
Das Gesicht der „Melonisierung“: Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni.
Ohnehin sollte manch einem Akteur eben jenes Vorfelds, der sich vereinzelt erschreckend verbittert zeigt und zu hochnotpeinlichen X-Postings verleiten lässt (anstatt Selbstkritik und konstruktive Ideen einzubringen), klar werden, dass das „Primat der Geopolitik“ und „multipolare Weltordnung“ ebenso wie Geschichtspolitik wichtige Bausteiene sein können, aber lebensfremd erscheinen, wenn darunter die Wählergunst und Gestaltungsansprüche leiden.
Anders gesagt: Europa braucht eine länderübergreifende Zusammenarbeit von Rechtsparteien, eine wirkliche Wende in der Migrationspolitik und im Grenzschutz, eine Absage an einen Green Deal, vermutlich vielerorts Law & Order-Reformen für Innenstädte – und erst nachgelagert Theoriedebatten über außenpolitische Positionierung und Vergangenheitsbewältigung. Das zu begreifen, ist kein Kuschen und kein Opportunismus, sondern Realpolitik.
Gestaltungsmöglichkeit trumpfen dabei stets reine Lehre. Auf einer Metaebene, um eine beliebte Vokabel zu bemühen, lohnt sich inhaltliche Konsistenz und weltanschauliche Unterfütterung nicht, wenn sie gleichzeitig den Bruch mit anderen Rechtsparteien, den Niedergang der Kooperationsfähigkeiten und schlicht Machtverlust bedeutet. „Man kann natürlich in der eigenen Blase endlose Debatten darüber führen, ob Leute wie Meloni oder Le Pen Verräter an der Sache und üble Transatlantiker sind“, schrieb gestern der Cottbuser AfD-Politiker Jean-Pascal Hohm. „Man sollte sich vielleicht aber auch mal fragen, welche potenziellen Wähler historische Debatten oder geopolitische Diskussionen interessieren, geschweige denn helfen sollen.“ Dieser Sinn für Pragmatismus wäre seiner Partei ebenso zu wünschen wie die Einsicht, dass Elitendebatten und Massendiskurse zwei verschiedene paar Schuhe sind.
Als Überzeugungstäter in Schönheit zu sterben und sich dabei parteipolitisch zu verkalkulieren, mag edel daherkommen, stellt aber insgesamt eher einen Makel denn einen triftigen Wahlgrund dar.
Auf der Suche nach Generationswechsel und neuem Politstil
Am Ende der Causa, die im eigenen Lager eigentlich nur Verlierer hervorbringt, bleibt zwar die Erkenntnis, dass um Krah und seine SS-Äußerungen ein mitunter makaber anmutender Skandal inszeniert wurde, der schlichtweg keiner ist, – er aber den Lichtkegel auf die Unzulänglichkeiten und Fehler in den eigenen Reihen richtet, die schnellstens behoben werden sollten. Dazu gehören Politstil und Skandalanfälligkeit; das Fehlen eines professionellen Parteiapparats, der einen Generalsekretär aufweist, sich aber womöglich auf kurz oder lang auch gänzlich von dem Konzept der Doppelspitze verabschieden sollte.
Dazu gehört aber auch die Erkenntnis, dass inhaltliche Konstistenz und das Reden mit einer Sprache unabdingbare Bedingungen für den eigenen Erfolg sind – egal, wo man sich im Palästina-Israel-Konflikt oder der Chinafrage positioniert. Wichtig ist, dass man sich im Anschluss nicht gegenseitig an den Karren fährt. Und ja, das bedeutet vermutlich auch, dass die eine Strömung bei der einen Frage und die andere Strömung bei anderen in den sauren Apfel wird beißen müssen. Aber manchmal ist innerparteiliche Geschlossenheit und Kompromissfähigkeit wertvoller denn als Bücher verlegte Theorie.
Spätestens jetzt darf aber auch die Debatte über einen Umbruch und Generationswechsel geführt werden: Personen wie Sebastian Münzenmaier, René Springer, Dennis Hohloch, – es ist nicht so, dass es keine Namen innerhalb der Partei gebe, die gerade im Bundesvorstand für einen neuen Politstil, einen Bruch mit dem Alten und Abkehr von Skandalträchtigkeit stehen könnten. Krah verkörperte erstes – einen neuen Politikstil –, aber zeigte sich im Rückblick zu fehleranfällig. Er agierte zudem von außen losgelöst von Führungsstrukturen. Nun war es der eine Fehler zu viel.

Gilt vielen in der AfD als Hoffnungsträger: der rheinland-pfälzische Abgeordnete Sebastian Münzenmaier.
Gilt vielen in der AfD als Hoffnungsträger: der rheinland-pfälzische Abgeordnete Sebastian Münzenmaier.
Denn auch das ist vielleicht die Lehre aus Frankreich: Im Nachbarland gibt es zwei Parteien rechts der Mitte, Recônquete und Rassemblement, mit verschiedenen Ausrichtungen und Schwerpunkten. Die dortigen Strömungen haben es aber geschafft, eine Verjüngung durchzusetzen – und Spitzenpersonal zu finden, das anschlussfähig und ansprechend auftritt, intellektuell und rational argumentiert, im Stil nicht radikal und verbittert wirkt – übrigens sowohl im Fall von Reconqête (Éric Zemmour und Marion Maréchal) wie im Fall des Rassemblement (Jordan Bardella und Marine Le Pen); von Aktivistengruppen und Jugendorganisationen ganz zu schweigen, die deutsche rechte Strukturen vor Neid erröten lassen sollten.
Damit dies gelingt, braucht es Schulterschlüsse jenseits von Lagerdenken, mit Kompromissen auf beiden Seiten, aber mit dem Ziel, reale Änderungen durchzusetzen.
Und in Frankreich hat Marine Le Pen, auch das ist Teil der Wahrheit, die Hypothek, den Stil, den Antisemitismus und ja, sogar den Parteinamen ihres Vaters ablegen müssen, um den Erfolg zu haben, den sie heute hat.
Ob diese Entwicklung im Rückblick eine schlechte war, sei mal dahingestellt. Die Europawahl in gut zwei Wochen wird es zeigen. Aber vieles spricht dafür, dass Le Pen ebenso wie Giorgia Meloni, im Gegensatz zur AfD, auf der richtigen Seite stehen.
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