Junger Moderator, alter Fehler: Warum Louis Klamroth bei „hart aber fair“ am AfD-Thema scheiterte (test)
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„Was hilft gegen die extrem Rechten: zuhören, demonstrieren, verbieten?“ Eigentlich ein spannendes Thema, das sich Moderator Louis Klamroth (34) und sein Team am Montagabend für „hart aber fair“ vorgenommen hatten. Schade nur, dass die Sendung eine Antwort auf die Frage am Ende schuldig blieb.
Schuldig bleiben musste, denn ausgerechnet der jüngste Moderator im Talkshow-Reigen von ARD und ZDF scheiterte am ältesten Fehler der AfD-Debatte: missionarischem Eifer und ideologischer Verkrampfung.
Wer in einer derart aufgeladenen Atmosphäre zwischen Massendemonstrationen und nach wie vor hohen Umfragewerten für die AfD etwas zum Thema beitragen will, müsste zunächst einmal klären, wer mit den „extrem Rechten“ gemeint ist. Die ganze AfD, Björn Höcke, Reichsbürger und Identitäre oder alle, die Trans-Gesetze und aktuelle Migrationspolitik ablehnen?

Louis Klamroth moderierte die Sendung.
Louis Klamroth moderierte die Sendung.
Eines machte diese Sendung sehr rasch klar: Das Konzept, sechs Gäste gegen einen AfD-Mann, der dann bei jeder Gelegenheit unterbrochen wird und keinen Satz zuende sprechen kann, trägt weder zu einer glaubwürdigen Debatte bei noch überzeugt es Unentschlossene oder macht auch nur nachdenklich. AfD-Wirtschaftssprecher Leif-Erik Holm sah sich zeitweise von Grünen-Politikerin Lamya Kaddor und Klamroth gleichzeitig lautstark attackiert, sodass weder Fragen noch Antworten zu verstehen waren und einzig der Eindruck hängenblieb, da solle jemand vorgeführt werden.

AfD-Wirtschaftssprecher Leif-Erik Holm
AfD-Wirtschaftssprecher Leif-Erik Holm
Schnell war klar, dass die Titel-Frage sich im Grunde ausschließlich auf die AfD konzentrierte, die nach Ansicht des Juristen, Podcasters und Aktivisten Ulf Buermeyer verboten werden sollte. Ein „gut“ gewählter Gast, der die differenzierte juristische Debatte über Parteienverbote geschickt und zweckdienlich „verschlankte“ und einen Verbotsantrag erstmal auf Probe vorschlug. Thüringens CDU-Chef Mario Voigt, der die AfD vor allem inhaltlich stellen will, versuchte es immer wieder mit sachlicher Debatte etwa über die AfD-Europapolitik, drang ab gegen den manifesten Krawall-Willen der anderen Teilnehmer kaum durch.

Jurist, Podcaster und Aktivist Ulf Buermeyer
Jurist, Podcaster und Aktivist Ulf Buermeyer
Das größte Manko der Sendung bestand aber darin, dass gar nicht erst versucht wurde, zwischen verbotsrelevanter Gefährdung der Verfassungsordnung und kritisierten, gleichwohl aber zulässigen Meinungen der AfD zu unterscheiden. So legte sich etwa die Chefin des Verbandes der deutschen Automobilindustrie, Hildegard Müller (CDU) mächtig ins Zeug, um die Wirtschafts-, Migrations- und Europapolitik der AfD als Gift für den Standort Deutschland zu diagnostizieren, was freilich noch kein Verbot rechtfertigen würde. Schließlich tut die Ampel-Politik ausweislich der wirtschaftlichen Rahmendaten dem Standort derzeit auch nicht sonderlich gut.
Das Thema „Umgang mit der AfD“ bleibt spannend, die Methode niederbrüllen, unterbrechen, nicht zuhören wird allerdings weder dem Thema noch dem Auftrag öffentlicher Sender gerecht. Um so erstaunlicher, dass ausgerechnet Jung-Moderator Klamroth diesen Fehler aus den Anfangsjahren der ersten AfD-Wahlerfolge wiederholt. Da waren wir schon weiter, um mal einen Spruch aus dem progressiven Lager zu bemühen.
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