Kult-Serie „Fauda“: Die 5. Staffel wird hammerhart
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Die Streaming-Plattform Netflix hat den Starttermin für die 5. Staffel von „Fauda“ mitgeteilt. Ab 8. September wird es in elf Folgen maßgeblich um den Terror vom 7. Oktober 2023 gehen. In Israel sorgte die Staffel schon für Furore.
Dies ist nicht nur eine Fortsetzung der vorherigen Staffeln. Sie spielt zwei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 und ist die erste „Fauda“-Staffel, die den Hamas-Überfall auf den Süden Israels und seine traumatischen Folgen ausdrücklich zum Bestandteil der Handlung macht. Der Sender Yes beschreibt den Ausgangspunkt als Rachefeldzug, der sich zu einer internationalen Operation gegen einen geplanten Mega-Terroranschlag entwickelt.
Die ursprünglich geplante Handlung, die bereits in Arbeit war, als der Horror über die Menschen auf dem Nova-Musikfestival und in den Kibbuzim hereinbrach, wurde komplett umgeschrieben. Es gab sogar eine Plot-Idee, in der die Hamas eine israelische Siedlung übernimmt – die Macher verwarfen sie aber als unrealistisch. Was dann tatsächlich geschah, war um ein Vielfaches verheerender.
Schwer auszuhaltende Szenen
Vor allem die Folgen 7 und 8 zeigen bedrückend realistisch, wie grausam die Verbrechen der frühmorgens ins Land eingedrungenen Terroristen waren. Der Sender Yes veröffentlichte einen Warnhinweis, der die Zuschauer darüber informierte, dass die betreffenden Episoden besonders schwer auszuhaltende Szenen enthalten und übersprungen werden können, ohne dass man die Haupthandlung der Staffel verpasst. Da das Trauma des 7. Oktober immer noch anhält – dutzende Überlebende der Massaker und Angehörige von Ermordeten haben sich das Leben genommen –, war dieser Hinweis wohl notwendig.
„Diese Episoden führen uns zurück zu 3:00 Uhr morgens am 7. Oktober, als der Sicherheitsapparat zu erkennen begann, dass etwas nicht stimmte – genau wie im wirklichen Leben“, sagte Avi Issacharoff, neben Hauptdarsteller Lior Raz einer der beiden Macher der Serie, im Podcast „Be.po“. „Der damalige Shin-Bet-Chef Ronen Bar traf im Hauptquartier ein und mobilisierte die Tequila-Teams, damit sie in den Süden aufbrechen. Die Episoden beginnen mit dieser Mobilisierung. Von dort aus entfaltet sich alles – der Raketenbeschuss, das Eindringen der Terroristen und das, was passiert, als eines der Teammitglieder isoliert wird, weil er sich mitten in einem Gefecht befindet, während seine Familie in einem der angegriffenen Kibbuzim im Süden festsitzt.“
Dadurch, dass die Ereignisse des schwärzesten Tages in der Geschichte des Landes aus der Sicht der Protagonisten gezeigt werden, deren vielschichtige Charaktere der Zuschauer bereits kennt, wird das, was sie durchmachen, greifbarer, insbesondere im Ausland, wo die Schrecken jenes „schwarzen Shabbat“ von vielen nicht nachvollzogen werden können.

Die Undercover-Einheit, noch unter Schock, muss einen Mega-Anschlag verhindern (Szene).
„Meine Hände haben gezittert“
Der Regisseur und Drehbuchautor Omri Givon schrieb die beiden Episoden. Die Herausforderung: zu entscheiden, wo die Grenzen des Dargestellten liegen und wie explizit man den Horror zeigen darf. Das Team habe damit gerungen, sagt Givon: „Man will den Schrecken nicht ausbeuten oder einen Snuff-Film daraus machen, aber man will ihn auch nicht verharmlosen. Der wirkliche Horror lässt sich überhaupt nicht darstellen. Die Herausforderung bestand darin, Wege zu finden, anzuerkennen, dass diese Dinge geschehen sind – einschließlich Vergewaltigungen –, ohne sie tatsächlich zu zeigen.“
Laut Issacharoff habe man die beiden Episoden als eigenständige Folgen gestaltet, weil der 7. Oktober „ein derart singuläres, beispielloses Ereignis“ gewesen sei, „dass man ihn nicht einfach in die laufende Handlung der Staffel einweben kann. Er steht für sich. Im Grunde ist es ein langer Rückblick, praktisch ein Film, der den härtesten Tag in der Geschichte Israels und in der jüdischen Geschichte seit dem Holocaust dokumentiert.“ Und: „Man muss sich ihm mit Ehrfurcht nähern. Meine Hände haben gezittert. Man fragt sich, ob man zynisch handelt, ob man das Blut der Menschen benutzt, die ermordet wurden.“
Ein weiteres Problem war die Zeichnung der palästinensischen Gegner, die – so die Rahmenhandlung – in der Serie einen Mega-Anschlag planen. „Fauda“ ist schließlich auch deswegen so hochgelobt, weil die Serie die Komplexität des Konflikts darstellt und neben den Mitgliedern der Undercover-Einheit auch ihren palästinensischen militanten Figuren Tiefe verleiht. Doch der barbarische Terror vom 7. Oktober macht eine differenzierte, zuweilen empathische Darstellung der Täter unmöglich. Tatsache ist: Es wird auch um Rache gehen.
Doron wird zum einsamen Rächer
„Das ist eine Fernsehserie, keine Realität. Aber wir dachten, dass es hier trotzdem eine Geschichte gibt, die erzählt werden muss“, sagte Issacharoff, Mitschöpfer und ausführender Produzent der Serie. „Wir wollten Menschen auf der ganzen Welt, nicht nur in Israel, sehr schwierige Fragen stellen. Ist Rache es wert? Ist es das wert, diesen scheinbar endlosen Kreislauf der Gewalt fortzusetzen? Wohin führt er einen? Ich denke, dass genau diese Fragen im Mittelpunkt dieser Staffel stehen.“
Idan Amedi, der Sagi Tzur spielt, ist nicht mehr reguläres Mitglied des Casts. Nach seiner schweren Verwundung als Reservist in Gaza hat er sich – zumindest vorerst – aus der Serie zurückgezogen. Doron Kabilio, dargestellt von Lior Raz, wird in der 5. Staffel von einem persönlichen Vergeltungswunsch getrieben und gerät zeitweilig selbst unter Verdacht, weil er eigenmächtig handelt. Es wird auch mindestens einer der Protagonisten getötet, doch mehr sei hier nicht verraten.

In Gaza lebensgefährlich verwundet, aber genesen – und nicht dabei: Idan Amedi.
Für die Schauspieler war der Dreh der 5. Staffel die größte Herausforderung bisher, schließlich haben sie selbst den für Juden katastrophalsten Tag seit der Shoah auf jeweils ihre Weise erlebt. Dafi Shoshana Alpern, seit Staffel 3 als Hagit, Witwe von Avihai und später Partnerin von Eli dabei, hatte einen besonders schwierigen Part als Mutter von zwei Kindern, die sich mit ihnen im Haus vor Hamas-Terroristen der Nukhba-Einheit verstecken muss. „Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, zitterte ich vor Angst. Es war sehr schwer, sich auf so etwas vorzubereiten. Emotional bin ich völlig zusammengebrochen“, schildert Alpern ihre Gefühle.
Die Schauspieler gingen an ihre Grenzen
Rawad Azar, ein 37 Jahre alter arabisch-israelischer Schauspieler, der auf Schurkenrollen abonniert ist und meistens Terroristen oder Kriminelle verkörpert, spielt in Staffel 5 einen Nukhba-Terroristen: „Eine Drecksarbeit, aber irgendjemand muss sie machen“, sagte er gegenüber dem israelischen Online-Portal Ynet. Es sei nicht leicht gewesen, manche Nacht habe er keinen Schlaf gefunden. Es habe ihn auch persönlich betroffen gemacht, weil Gali und Ziv Berman, mit denen er befreundet ist, als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden und als letzte wieder zurückkehrten. Außerdem hätten sich Menschen vor ihm gefürchtet, weil er sich für die Rolle einen Islamistenbart hatte wachsen lassen. Lieber hätte er nicht so ausgesehen, aber das sei „nun mal sein Job“.

Rawad Azar musste einen Hamas-Terroristen spielen.
„Die Leute fragten, ob ‚Fauda‘ weiterhin versuchen würde, beide Seiten darzustellen“, erzählte Avi Issacharoff im Podcast. „Aber dieses Ereignis ist anders. Hier möchte man die Geschichte aus israelischer Perspektive erzählen. Man möchte die Monster zeigen – von denen einige, wie wir durch freigelassene Geiseln erfahren haben, Ärzte und Journalisten waren. Es ist verrückt.“ Viele hätten neben ihren terroristischen Aktivitäten auch zivile Berufe gehabt. „So funktioniert das in Gaza. Man hat nicht nur einen Job – man hat mehrere. Es war uns wichtig, diese Heuchelei zu zeigen.“
Die besonders harten Folgen 7 und 8 sah sich das Team im Haus von Lior Raz an, um das Schmerzhafte gemeinsam zu sehen und zu verarbeiten. Der Dreh hatte sie teilweise bis an die Grenzen gefordert. „Einige der Schauspieler hielten sich zusammen, bis wir die Szene beendet hatten, und brachen danach völlig zusammen“, verrät Givon. „Es war für niemanden leicht.“
Lior Raz sagt, dass Doron seit Beginn der Serie eigentlich eine posttraumatische Figur sei, Staffel 5 dies aber viel stärker nach außen kehre. Es gebe in der Staffel praktisch keine klassischen „Happy Endings“: Krieg bedeute Verlust von Freunden, Moral und letztlich auch von Teilen der eigenen Identität. Es ist diese Art von Reflexion, die „Fauda“ so besonders macht.
Lesen Sie dazu auch: Fauda Staffel 5 – Serienfortsetzung nach dem Massaker vom 7. Oktober
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