Nach infamem Video: Sind Deutschlandfahnen der Ursprung des Rechtsrucks? Oder vielleicht doch Merkel?
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„Sind Poldi, Klinsi und Co. Schuld am Rechtsruck in Deutschland?“ lässt die Bundeszentrale für politische Bildung derzeit für den intellektuell niederschwelligen Bevölkerungsteil von einer jungen Dame als ernsthafte These auf ihrem Instagram-Account analysieren, um innerhalb von Sekunden die Fußballfreude der Deutschen zur Einstiegsdroge in den Rechtsradikalismus und jeden Schuljungen mit Deutschlandfahne zum Fahnen-Nazi hochzustilisieren.
Nun ist man es ja gewohnt, dass auf allen Kanälen versucht wird, im Austragungsland der Fußball-EM so zu tun, als hätten alle anderen Mannschaften des Turniers nicht nur Nationalfarben und eine eigene Fahne, sondern auch einen Nationalstolz, nur die Deutschen nicht. In jedem Land dieser Erde dürfte man nur verständnislos mit dem Kopf schütteln angesichts von deutschen Debatten wie den ernsthaften Versuch, den deutschen Polizisten während der EM das Mitführen oder Ausstellen der schwarz-rot-goldenen Fahne auch an den Polizeiautos zu verbieten. Die Polizisten sollten „politisch neutral“ auftreten hieß es als Begründung sowohl in Berlin also auch in NRW, während offenbar niemand ein Problem damit hat, dass sich das ganze Jahr über Regierungsmitglieder bei jeder Gelegenheit möglichst ganz in eine Regenbogenfahne rollen oder diese wenigstens vor ihrem Dienstsitz hissen.
Merke: Politik bitte raus aus dem Sport, außer es geht um „Zeichen“ und „Haltung“ gegen Homophobie, Transphobie und Rassismus.

Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren und Jugend, hisst die sogenannte „Progress Pride“-Flagge vor ihrem Ministerium (Juni 2023).
Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren und Jugend, hisst die sogenannte „Progress Pride“-Flagge vor ihrem Ministerium (Juni 2023).
Die ultimative Beweisführung der niederen Gedankengänge deutscher Fußballfans
Seit Wochen fluten progressive Kommentatoren linksintensiver Blätter die Medienlandschaft mit Betrachtungen zum fahnentragenden deutschen Problembär, der ja bekanntermaßen damit nur seine rechte Gesinnung und sonstige schlimme Dinge signalisiert und natürlich nicht nur harmlos die Zugehörigkeit zu seinem Land oder die Unterstützung seiner Mannschaft.
Jetzt reiht sich auch die Bundeszentrale für politische Bildung bei jenen ein, die schon immer wussten, dass der Fußball und der dadurch forcierte Nationalstolz nicht weniger ist als der Steigbügelhalter und Türöffner für braune Genossen. Wehret den Anfängen!
In einem Kurzvideo hat man also die ultimative Beweisführung der niederen Gedankengänge deutscher Fußballfans dargelegt. Die Argumentationslinie verläuft in etwa so: 2006 wurde die Fußball-WM in Deutschland ausgetragen, Angela Merkel wurde Bundeskanzlerin, während die Welt von Deutschland zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wusste, als dass wir zwei Weltkriege begonnen hätten und irgendwann eine Mauer umfiel. Aus unerklärlichen Gründen wird noch kurz John F. Kennedy eingeblendet, mit dem Bekenntnis, ein kugelförmiges, frittiertes Kuchengebäck zu sein, und dann ist es da, das Problem: „Die Fußball-WM der Männer“ 2006. Was sicher auch ein versteckter feministischer Hinweis sein soll, Männer sind sowieso ein Problem.
Sicher wäre der Rechtsruck mit Fußballfrauen wie Silvia, Nadine und Steffi nie so weit gekommen, aber leider, leider waren es nun mal die Männer und ihre Fans, die sich unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ komplett mit allen Mitteln des DFB-Merchandising in Schwarz-Rot-Gold wickelten und damit den Grundstein legten für die späteren Fahnen-Nazis von heute.

Ein Meer aus Schwarz-Rot-Gold: Fröhliche Fußballfans feiern ihre Mannschaft bei der WM 2006 auf dem Berliner Fanfest.
Ein Meer aus Schwarz-Rot-Gold: Fröhliche Fußballfans feiern ihre Mannschaft bei der WM 2006 auf dem Berliner Fanfest.
Patriotismus, bekanntlich ein ganz gefährliches Ding
Die junge Dame führt die geniale Argumentationskette weiter, damals habe man sich erstmalig zum Public Viewing getroffen, woraus ein „Party-Patriotismus“ entstanden sei, der sich in einer „Patriotismus-After-Hour“ nahtlos fortgesetzt hätte. Patriotismus, bekanntlich ein ganz gefährliches Ding. Weiß man ja, da brüllen alle Nationen in ihrem eigenen Fahnenmeer, während die Türken dazu noch halb Deutschland mit einem Autokorso lahmlegen und die Niederländer abwechselnd von links nach rechts hüpfen.
Aber wir wollen nicht durch den demonstrativen Patriotismus der anderen von unserer eigenen, schändlich-deutschen Gesinnung ablenken, das ist hier schließlich eine ernste Sache. Man muss jetzt sicher dringend überlegen, den Bambini-Sport unter Strafe zu stellen, es kann ja nicht sein, dass unschuldige, kleine Kindergartenjungs bereits vor der Einschulung auf die politisch rechte Bahn geraten, weil sie ihre Mütter so lange anbetteln, bis diese ihnen ein Deutschlandtrikot kauft und die rosigen Wangen mit Deutschlandfahnen schminkt.
Wie gut und weitsichtig hat der DFB doch diesmal ein pinkes Trikot zur EM in Deutschland entworfen, und vorbildlich auf jegliche Demonstration nationalen Zugehörigkeitsgefühls in Form schwarz-rot-goldener Farben verzichtet. Geht doch!
Gefahr in Verzug!
Zurück zum Video. Die Szene springt 10 Jahre weiter, in denen in Deutschland offensichtlich außer einer klitzekleinen weiteren Grenzöffnung nichts Wesentliches passiert ist und siehe da, auch auf den Pegida-Demos 2015 wurden wieder Deutschlandfahnen geschwenkt, oder immer noch, wer weiß das schon. Es erscheint dann noch zur Verifizierung der Fußball-Fahnen-Nazi-These ein Politikwissenschaftler im Bild, der statt Frisur etwas pelztierartiges auf dem Kopf trägt und der mit der ganzen Kraft seiner wissenschaftlichen Expertise bestätigen kann: „Ohne die Fußball-WM wäre das so nicht möglich gewesen“. Der Grundstein zur Radikalisierung am rechten Rand der Gesellschaft unwiderruflich gelegt. Ein glasklarer Beweis für die historische Verkettung: Fußball-Klinsi-Poldi-Pegida-Nazi. Quod erat demonstrandum.
Es ist also Gefahr in Verzug. Heute spielt Deutschland bei der EM gegen Spanien und es drohen sich wieder Zehntausende von Deutschen und sogar Kinder auf den Straßen Deutschlands als Fahnen-Nazis zu outen.
Das letzte Mal, dass ich eine derartige logische Argumentationskette wie bei der Bundeszentrale für politische Bildung hörte, war in der Serie „Ein Herz und eine Seele“ im Schwarz-Weiß-Fernsehen des Jahres 1973, als „Ekel“ Alfred Tetzlaff für alle Zuschauer logisch erklärte, warum nicht nur sein Schwiegersohn, sondern auch andere Menschen SPD wählen: weil sie zu viele Eier essen! Und „So ein Ei, das geht vom Rückenmark ins Gehirn und dann wirst du blöde und dann wählst du die SPD“.

Eine Szene aus „Ein Herz und eine Seele“ mit Heinz Schubert (vorne) als „Ekel“ Alfred Tetzlaff.
Eine Szene aus „Ein Herz und eine Seele“ mit Heinz Schubert (vorne) als „Ekel“ Alfred Tetzlaff.
Ich weiß nun nicht, was die junge Dame zu Mittag hatte, bevor sie sich vor die Kamera stellte, vielleicht profitiert sie aber auch von der aktuellen Cannabis-Legalisierung.
Nun war die Bundeszentrale für politische Bildung früher dafür bekannt, dass sie Antworten gab, anstatt steile Thesen in den Raum zu werfen, die am Schluss mit einem klaren „Könnte schon sein“ beantwortet werden. Aber mehr ist wohl nicht zu erwarten für einen Jahresetat von derzeit 97 Millionen Euro, wahrscheinlich müssen wir zur Qualitätssicherung bei der Recherche demnächst noch ein paar Millionen draufwerfen.
Hätte die junge Dame mit der strengen Frisur natürlich in ein paar Zeitschriften derselben Bundeszentrale für politische Bildung gelesen, für die sie arbeitet, oder wenigstens in einem x-beliebigen Geschichtsbuch geblättert, wäre ihr wahrscheinlich aufgefallen, dass die Fahnen-Nazi-Serie der deutschen Nationalisten schon deutlich früher begonnen haben muss, und wir an dieser Stelle den armen Klinsi, den Poldi und auch alle anderen Fußballhelden unserer Nation entlasten können. Denn spätestens bei Helmut Kohls Rede vor der zerstörten Frauenkirche in Dresden, wie auch bei allen anderen Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit in den 90ern war dieses Land bereits einmal im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer versenkt.

Bundeskanzler Helmut Kohl winkt am 20.2.1990 in Erfurt während einer Wahlveranstaltung der fahnenschwenkenden Menge zu.
Bundeskanzler Helmut Kohl winkt am 20.2.1990 in Erfurt während einer Wahlveranstaltung der fahnenschwenkenden Menge zu.
Mit derselben Logik könnte man aber auch die Behauptung wagen, dass der Rechtsruck und angeblich schwierige Patriotismus der Deutschen direkt auf Angela Merkel zurückzuführen ist. Das kann ja kein Zufall sein, dass ihr Amtsantritt und die Fußball-WM und die Fahnen-Nazis alle im Jahr 2006 ihre ersten Schritte taten, und war sie 2014 nicht sogar zur „Muttivation“ in der Spielerkabine von Jogis WM-Kader und Arm in Arm mit Poldi zu sehen? Und 2015 dann Pegida. Eben!

Kanzlerin Angela Merkel mit Lukas Podolski nach dem WM-Sieg 2014 in Brasilien.
Kanzlerin Angela Merkel mit Lukas Podolski nach dem WM-Sieg 2014 in Brasilien.
Nimmt man jenen fast 10-jährigen Teil der deutschen Geschichte unter der Führung von Angela Merkel mit rein, den man zwischen Fußball-WM und Pegida in dem Video der Bundeszentrale für politische Bildung weggelassen hat, kann man den Rechtsruck der deutschen Nation der Kanzlerin und ihrer Politik auch komplett zurechnen, oder um es mit den Worten der jungen Nachwuchsanalystin der Bundeszentrale für politische Bildung zu sagen: „Steile These, aber da könnte schon was dran sein.“
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