Alena Buyx hat das Bundesverdienstkreuz erhalten – trotz ihrer Falschbehauptungen
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Die ehemalige Ethikrat-Chefin Alena Buyx wurde am Montag im Berliner Schloss Bellevue mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Das zeigt: Man kann nachweislich falsche Dinge behauptet haben, regierungstreue Experten werden so oder so geehrt.
Im politischen Berlin ist es inzwischen geläufig, einflussreiche Personen, die für eine harte Corona-Politik eintraten, mit dem Bundesverdienstkreuz zu ehren. Der Regierungsberater Christian Drosten und der Leiter vom Paul-Ehrlich-Institut Klaus Cichutek erhielten bereits das Bundesverdienstkreuz, ebenfalls der frühere RKI-Leiter Lothar Wieler und die ZDF-Influencerin Mai Thi Nguyen-Kim.
Das geschieht ungeachtet der vielfach geäußerten Kritik und der nachweislichen Fehler, die diese Personen sich in der Corona-Pandemie haben zu Schulden kommen lassen. Durch das leichtfertige Verschenken der Bundesverdienstkreuze entsteht der Eindruck, dass das regierende Berlin inzwischen in einer Parallelwelt lebt, aus der heraus es die öffentliche Debatte kaum noch zur Kenntnis nimmt. Nun war mit Alena Buyx die frühere Chefin des Ethikrats an der Reihe, von Bundespräsident Steinmeier geehrt zu werden.
Eine Erlebnisanekdote ohne Faktengrundlage
Kritisiert wird Buyx nicht nur für ihre harsche Parteinahme für verfassungsfeindliche Grundrechtseinschränkungen wie etwa die öffentliche Ausgrenzung der Ungeimpften unter „2G“, sondern auch für falsche Tatsachenbehauptungen. Im Gespräch mit Gregor Gysi sagte sie im vergangenen Juli in nur einer Minute so viel Falsches, dass man nur ungläubig den Kopf schütteln kann. Gregor Gysi fragte Alena Buyx, warum der Ethikrat sich schließlich für eine Impfpflicht aussprach. In ihrer Antwort lässt sie erkennen, dass ihre damalige Empfehlung für die Regierung auf sachlich falschen Annahmen beruhte. NIUS hat dafür die Beweise.
Alena Buyx im Gespräch mit Gregor Gysi
Buyx hatte im Gespräch mit dem Linken-Politiker behauptet, dass im Winter 2021/22 ungeimpfte Corona-Patienten die Krankenstationen so enorm belastet hätten, dass andere Patienten nicht mehr ausreichend versorgt werden konnten. Diese Behauptung ist durch keinerlei Daten belastbar. Im Gegenteil: Regierungszahlen, die dank Datenanalyst Tom Lausen NIUS vorliegen, widersprechen ihr. Über Buyx’ Falschbehauptungen bei Gregor Gysi hatte Lausen im Online-Talk-Format Fair Talk gesprochen.
Buyx argumentiert mithilfe einer Erlebnisanekdote: Sie habe im Winter 2021/22 an „einem großen Universitätsklinikum live und in Farbe mitgekriegt“, wie sehr die Ungeimpften dem Rest zur Last gefallen seien: „Viele Menschen konnten nicht behandelt werden – oder wurden später, schlechter oder weniger behandelt –, weil die Intensivstationen voll waren mit Menschen mit superschweren Corona-Verläufen, die nicht geimpft waren. (…) Das war ein Gerechtigkeitsproblem.“
Hier ist der einminütige Ausschnitt, in dem sie gleich zwei falsche Behauptungen aufstellt:
Offizielle Daten zeigen: keine Überbelastung durch Ungeimpfte
Datenanalyst Tom Lausen ist im Besitz von Krankenhaus-Daten der Bundesregierung, die zeigen, dass die Verteilung von ungeimpften und geimpften Corona-Patienten ganz anders ausfällt, als Buyx behauptet. Wie aus der Tabelle unten hervorgeht, waren in der Zeit vom 8. November bis zum 5. Dezember (KW 45-48) 4.600 geimpfte Corona-Patienten und 7.900 ungeimpfte im Krankenhaus. Diese Zahlen entsprechen einem Verhältnis von 3 zu 5. Davon, dass hauptsächlich Ungeimpfte die Krankenhäuser belastet hätten, kann also keine Rede sein.
Antwort der Regierung auf eine Antwort von MdB Kay-Uwe Ziegler (AfD).
Dazu muss man wissen, dass nach Datenanalyst Lausen, der sich auf die offiziellen InEK-Daten stützt, nur bei um die zwanzig Prozent der im Krankenhaus eingelieferten Patienten der Impfstatus abgefragt wurde – obwohl dies gesetzliche Pflicht war. Das heißt: Diese Zahlen bilden nur einen Ausschnitt der Realität ab. Deswegen ist damit zu rechnen, dass bei der Angabe des Impfstatus Verzerrungen stattgefunden haben.
NIUS fragte Alena Buyx, welche Datengrundlage ihre Tatsachenbehauptungen zum Krankengeschehen haben. Eine Antwort blieb bislang aus. Außerdem wollte NIUS wissen, ob es überhaupt irgendwelche Daten gibt, die eine massive Überbelastung der Kranken- und Intensivstationen durch Ungeimpfte beweisen. Auch diese Frage ließ die Ethikprofessorin unbeantwortet.
Gefühlswissen ohne Datengrundlage
Damit ist Buyx’ große Märchenminute bei Gregor Gysi noch nicht zu Ende. Sie stellte nämlich noch die abenteuerliche Behauptung auf, dass im Winter 2021/22 die „Krankenhäuser und Intensivstationen so voll waren, wie während der gesamten Pandemie nicht.“ Auch für dieses Gefühlswissen gibt es keine Datengrundlage. Es ist sogar nachweislich falsch, wie die öffentlich zugänglichen Daten des DIVI-Intensivregisters zeigen. Man sieht: In der Winterwelle 2020/21 und Frühlingswelle 2021 waren die Intensivstationen stärker ausgelastet als in der Winterwelle 2021/22, über die Alena Buyx spricht.
An der markierten Stelle sollen die Intensivstationen nach Alena Buyx am meisten ausgelastet gewesen sein.
Alena Buyx fiel in der Vergangenheit immer wieder mit falschen Behauptungen auf. In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz behauptete sie, dass die mRNA-Impfstoffe im Körper „nach zwei Wochen überhaupt nicht mehr nachzuweisen“ sind. Auch das ist falsch, wie eine Studie zeigen konnte: Impfstoff-Reste wurden noch „in 50 Prozent der analysierten biologischen Proben“ gefunden; die minimale und maximale Zeit, in der diese Impfstoff-Reste noch nachgewiesen werden konnten, „betrug 69 bzw. 187 Tage“ (Studie abrufbar hier).
Unterm Strich handelte Alena Buyx in höchstem Maße unethisch. Sie sprach als Ethikrat-Chefin auf nicht vorhandener Datengrundlage eine Impfpflicht-Empfehlung aus. Auch im Gespräch mit Gregor Gysi entbehrten ihre Behauptungen jedweder Faktengrundlage. Auf Nachfrage konnte sie keine liefern, öffentliche Daten widersprechen ihr zudem. Aufgrund von falschen Annahmen Empfehlungen auszusprechen, die die Gesundheit der Bevölkerung betreffen, ist alles, aber keine auszeichnungswürdige Beratung.
Zum Tag der Deutschen Einheit wird Alena Buyx mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden: für ihr „Engagement als Beraterin in ethischen Fragen“, das „besonders während der Corona-Pandemie deutlich“ wurde, wie das Bundespräsidialamt schreibt. Mehr muss man über die Zustände im politischen Berlin nicht wissen.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien am 26.09. zum ersten Mal. Anlässlich Buyx' Ehrung publiziert NIUS ihn erneut.
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