Werden US-Demokraten und Linke (wieder) Befürworter der Rassentrennung? Ein historischer Streifzug
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Vor der Berliner Volksbühne sollten Schwarze unter sich baden, Universitäten und Theater schaffen segregierte Räume, in denen faktisch Rassentrennung praktiziert wird, und US-Demokraten verteidigen rassische Auswahlkriterien in Bildung und Beruf als Antirassismus. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt die bittere Ironie: Es waren „rechte“ Republikaner wie Thaddeus Stevens, die gegen den Widerstand der Demokraten die Sklaverei beendeten und später den Ku-Klux-Klan bekämpften, dessen Terror südliche Demokraten politisch nutzten und vielfach deckten. Unter umgekehrten Vorzeichen kehrt die Linke zu jenem Rassenwahn zurück, den diese bürgerlichen Revolutionäre überwinden wollten.
Der Rassismus der Linken
Die Berliner Volksbühne hält es für eine sinnvolle Idee, Menschen nach Hautfarbe zu trennen. Geplant hatte sie für Freitag, dass Schwarze unter sich baden gehen können, um ihnen damit einen „sicheren Raum“ zu gewähren – und das vor dem riesigen Theatergebäude, das diesem makabren Geschehen eine theatralische Aura verliehen hätte.

Neorassismus: Ohne bürgerliche Kritik von NIUS hätten Linke ein Rassentrennungs-Schwimmen veranstaltet.
Abgesehen davon, dass dieses makabre Geschehen Menschen hellerer Hautfarbe diskriminiert hätte, handelt es sich dabei auch um rassistische Aktionskunst gegen Schwarze. Kinder und Jugendliche mit dunkler Hautfarbe wären zwangsläufig zum Gegenstand eines öffentlichen und politischen Spektakels geworden, das Schaulustige angelockt hätte, was auf frappierende Weise an jene Völkerschauen erinnert, die in Deutschland glücklicherweise Vergangenheit sind und in denen Menschen wie in Zoos ausgestellt wurden.

Hamburg in den 1910ern: In Carl Hagenbecks „Tierpark“ (!) in Stellingen fand die „Völkerschau Indien“ statt.
Während der althergebrachte Rassismus in Form erniedrigender Veranstaltungen überwunden ist, führen Linke die Rassenideologie unter anderem Vorzeichen wieder ein. Ende 2025 kam es in der Show „Die 100“ zu unglaublichen Szenen, als der Moderator Menschen anhand einer Farbskala untersuchte, um die Hautfarbe, die im Deutschland der Gegenwart längst in den Hintergrund getreten ist, in den Vordergrund zu rücken.

Rassistische Szenen in der ARD: In der Show „Die 100“ wurden Menschen nach Hautfarbe kategorisiert.
Rassentrennung hat inzwischen selbst die Universitäten erobert. An der Universität Potsdam fand unter dem Titel „Surviving White Academia“ ein Workshop statt, der ausschließlich sogenannten BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) offenstand. Auch in den USA und Großbritannien entstanden nach Hautfarbe beziehungsweise rassischer Selbstzuordnung getrennte Räume. Das Evergreen State College forderte 2017 weiße Hochschulangehörige auf, an einem „Day of Absence“ dem Campus fernzubleiben. Ein Professor widersprach mit der Begründung, Anwesenheits- und Rederechte dürften nicht von der Hautfarbe abhängen. Eine öffentliche Schule in Wellesley musste nach einer Klage klarstellen, dass ihre „racial affinity groups“ allen Schülern offenstehen.
Am Broadway und im Londoner West End wurden „Black Out“-Vorstellungen organisiert – Veranstaltungen ausschließlich für ein Publikum, das sich als schwarz identifiziert, ausdrücklich „free from the white gaze“, also frei von sogenannten weißen Perspektiven. In den USA sind es heute vor allem die Demokraten, die auf diesem (anti-)rassistischen Trip sind. Das zeigt sich auch in Programmen wie „affirmative action“, durch die rassische Kriterien unter anderem beim Zugang zu Universitäten berücksichtigt wurden.
Die Republikaner beendeten die Sklaverei in den USA
Die Verbindung zum alten Rassismus ist dabei enger, als man in Deutschland vermuten würde, wo traditionell vor allem die Republikaner unter Rassismusverdacht stehen. Wie unvollständig diese Erzählung ist, zeigt die Karriere des demokratischen Spitzenpolitikers Robert Byrd. In den 1940er-Jahren gründete und führte er einen örtlichen Verband des Ku-Klux-Klans als „Exalted Cyclops“. Noch zwei Jahrzehnte später bekämpfte er zentrale Bürgerrechtsgesetze, bevor er sich schließlich von seiner rassistischen Vergangenheit lossagte.
Der geschichtliche Hintergrund, vor dem dies geschah, zeigt, dass es sich dabei keineswegs um einen Zufall handelte. Es war nicht die Partei, die heute als politische Linke Amerikas gilt, sondern es waren die Republikaner, die das Unrecht der Sklaverei beendeten – gegen den erbitterten Widerstand der Südstaaten und des südlichen Flügels der Demokratischen Partei, der die politische Heimstatt der Sklavenhalter und Plantagenbesitzer bildete.
Im Amerikanischen Bürgerkrieg tat sich dabei ein Mann besonders hervor: Thaddeus Stevens, ein 1792 geborener bürgerlicher Revolutionär. Als Anwalt verteidigte er auch geflohene Sklaven, als führender Politiker der Radikalen Republikaner drängte er Präsident Abraham Lincoln und den Kongress immer wieder dazu, die Sklaverei vollständig abzuschaffen. Landesweit und verfassungsrechtlich besiegelt wurde ihr Ende schließlich im Dezember 1865.

Einer der wichtigsten Kämpfer gegen die Sklaverei: der Republikaner Thaddeus Stevens (1863)
Für den entscheidenden 13. Verfassungszusatz stimmten die Republikaner nahezu geschlossen, während ihn eine große Mehrheit der Demokraten im Kongress ablehnte. Während der Reconstruction, der politischen Neuordnung der Südstaaten zwischen 1865 und 1877, versuchten die Republikaner, die rechtliche Gleichstellung der befreiten Sklaven durchzusetzen. Dagegen formierte sich der gewaltsame Widerstand ehemaliger Konföderierter. Der Ku-Klux-Klan entstand als terroristische Gegenbewegung und richtete seine Gewalt vor allem gegen schwarze Bürger und weiße Republikaner.

Ohne Republikaner würde es den Clan womöglich noch heute geben.
Die republikanische Regierung von Präsident Ulysses S. Grant bekämpfte ihn mithilfe der sogenannten Enforcement Acts und zerschlug den ersten Klan bis Anfang der 1870er-Jahre weitgehend. Mit dem Abzug der Bundestruppen 1877 endete die Reconstruction. Weiße Demokraten übernahmen wieder die Herrschaft in den Südstaaten und errichteten dort in den folgenden Jahrzehnten das System der „Jim-Crow“-Rassentrennung.
Schwarze und Weiße für die Gleichheit
In einem Atemzug mit Thaddeus Stevens ist Charles Sumner zu nennen, ein Radikaler Republikaner, der 1856 nach seiner Rede „The Crime Against Kansas“ im Senat von dem demokratischen Abgeordneten Preston Brooks mit einem schweren Gehstock so brutal zusammengeschlagen wurde, dass er sich davon nie vollständig erholte. Sumner kämpfte nicht nur für die Abschaffung der Sklaverei, sondern verlangte auch den gleichberechtigten Zugang zu Verkehrsmitteln, Theatern, öffentlichen Schulen, Kirchen und Friedhöfen.

Ein US-Demokrat verprügelte einen Republikaner wegen dessen Einsatz gegen Rassismus.
In diese Reihe gehört auch Frederick Douglass, ein der Sklaverei entkommener Abolitionist und langjähriger Unterstützer der Republikanischen Partei. Nicht minder beeindruckend ist die Geschichte Robert Smalls’: Auch er entkam der Sklaverei, indem er 1862 gemeinsam mit einer schwarzen Besatzung ein konföderiertes Schiff in die Freiheit steuerte; später zog er als Republikaner in den Kongress ein.

Als Sklave geboren, später als Republikaner in den US-Kongress gewählt: Robert Smalls
Schwarze und Weiße kämpften damals in den Reihen der Republikanischen Partei Seite an Seite, um das uneingelöste Versprechen der Republik zu verwirklichen, das bereits in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 niedergelegt war: „All men are created equal“.
Das alles soll die Geschichte der Republikaner nicht von jedem Rassismus freisprechen. Aber unterm Strich traten sie eben doch für die bürgerlichen Prinzipien der Republik ein, die heute wieder mit Füßen getreten werden. Im Namen des Antirassismus. Für den Rassismus. Wie vor der Berliner Volksbühne.
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